Langstreckenlauf
Spezielle Erlebnisse beim LaufenInhalt dieser Seite:
EinleitungDas Laufen an sich verschafft einem eine Vielzahl schöner, eindrücklicher Erlebnisse. Hier soll jedoch nicht die Rede sein von den üblichen, wohl für jeden Läufer fast schon zur angenehmen Gewohnheit gewordenen Lauf-Eindrücken. Vielmehr möchte ich von ein paar ganz speziellen Begegnungen und Erlebnissen beim und rund ums Laufen berichten. In meiner kleinen Auswahl der Lauf-Erlebnisse geht es um Tiere (Hunde, Pferde, Vögel), einen Wanderer, äthiopische Spitzenathleten, sowie einen gerade noch verhinderten organisatorischen Lapsus bei einem Marathon. Hunde [Der Bodenkampf]Von Begegnungen mit Hunden hat wohl jeder Läufer einiges zu berichten. Die allermeisten dieser Läufer-Hunde-Begegnungen - ich hatte bisher schätzungsweise etwa 10 000 davon - verlaufen glücklicherweise völlig unspektakulär. Viele Hundehalter(innen) rufen den Joggern denn auch zu: Sie brauchen keine Angst zu haben, mein Hund macht nichts. In weit über 99% der Fälle trifft dies dann auch wirklich zu. Leider bleibt jedoch eine kleine Minderheit der anderen Fälle, die hinterher von den Hundehaltern meist mit der etwas gar banalen Aussage kommentiert werden: Dies war das erste Mal, normalerweise macht er wirklich nichts! Dies ist dem vom Hund angefallenen Jogger natürlich kein Trost; für ihn ändert sich nichts, ob er das erste Opfer eines Hundes ist, oder ob es sich bei diesem um einen "Wiederholungstäter-Hund" handelt. Bevor ich von meinem persönlichen Negativ-Highlight erzähle, möchte ich eines nochmals klarstellen: Die allermeisten Hunde sind wirklich völlig harmlos. Aber leider kann dies ein Jogger jeweils erst im Nachhinein mit absoluter Sicherheit wissen. So war es auch bei meiner unangenehmsten Hunde-Begegnung; mit einem Angriff hatte ich eigentlich überhaupt nicht gerechnet: Ich kannte den Hund ziemlich gut, er war an meiner Laufstrecke zu Hause, in einem Hundezwinger. Anfangs bellte er jeweils, wenn er mich erblickte. Doch mit der Zeit schien er mich zu kennen. Ich war ihm schon ein paar hundert Male begegnet bis zu jenem verhängnisvollen Wintertag, den ich wohl niemals vergessen werde. Es war ein verschneiter Tag, der Boden leicht gefroren. Ich lief wegen der rutschigen Unterlage konzentriert und vorsichtig am Hundezwinger vorbei. Plötzlich raste der Hund aus seinem Zwinger heraus (weshalb die Tür offen war, ist mir bis heute ein Rätsel), übersprang einen Zaun, und sprang mich an. Wegen des vereisten Bodens verlor ich das Gleichgewicht und landete auf dem Boden - Auge in Auge mit dem angriffslustigen Hund. Er schnappte nach mir, ich versuchte die Angriffe mit meinen Armen abzuwehren. Mittlerweile wurde auch der Hundehalter, welcher neben dem Haus am Schnee schaufeln war, auf den Kampf aufmerksam, und wollte seinen Hund zurückrufen. Dieser war jedoch zu stark damit beschäftigt, seinen menschlichen Gegner zu bekämpfen, als dass er auf die Zurufe reagiert hätte. Erst als der Hundehalter mit dem Besen in der Hand zu uns lief, und mit aller Wucht auf den Hund einschlug, liess dieser endlich von mir ab. Für mich hatte dieser Bodenkampf zum Glück keine schwerwiegenden Folgen. Dank meiner offenbar geschickten Reaktion und viel, viel Glück kam ich mit ein paar Schrammen davon. Für den Hund endete sein Angriff jedoch tragisch: Er wurde nach am selben Tag eingeschläfert, wie es das Gesetz bei solchen Attacken verlangte. Glücklicherweise blieb dieser Angriff bis heute der extremste. Neben ein paar Kratzern und Bissspuren am Laufdress kam ich jedes Mal ohne Schaden davon.
Tipp Pferde [Der verlorene Reiter]Begegnungen mit Pferden sind normalerweise viel seltener als solche mit Hunden, jedoch keineswegs ungefährlicher. Scheuende Pferde können sowohl für Reiter wie auch für Jogger eine riesige Gefahr darstellen. Ein besonderes Erlebnis gibt es auch hier zu erzählen: Wie so oft war ich im Wald am Laufen, als sich mir von hinten ein Pferd in rasendem Tempo näherte. Als Vorsichtsmassnahme lief ich ganz am rechten Wegrand, um dem Pferd auch sicher genug Platz zu lassen. Als dieses dann auf gleicher Höhe war, warf ich einen Blick nach links, um zu sehen, welcher Reiter es so eilig habe - doch es sass gar kein Reiter auf dem Pferd! Entweder war dieser unterwegs abgeworfen worden, oder das Pferd war irgendwo ausgerissen. Im ersten Moment wusste ich nicht, wie ich reagieren sollte. Ich entschloss mich dann, die grössten Wege im Wald abzulaufen, um einem eventuell verletzt liegen gebliebenen Reiter helfen zu können. Von einem Reiter ohne Pferd war jedoch weit und breit nichts zu sehen. Nach wenigen Minuten sah ich hingegen auf dem Weg vor mir einen anderen Reiter auf seinem Pferd sitzen, und daneben stand das zuvor vorbeigeraste Pferd. Es konnte also glücklicherweise angehalten werden. Bevor ich irgend etwas sagen konnte, fragte mich der Reiter: Ist das Ihr Pferd? Hätte ich gewollt, wäre ich also im Nu vom Läufer zum Pferdebesitzer und Reiter (im Lauftenue...) geworden! Ich verneinte natürlich, und lief anschliessend wie geplant weiter, um nach dem "pferdlosen" Reiter Ausschau zu halten. Fündig wurde ich jedoch nicht. Woher das Pferd kam, und wie es ausreissen konnte, ist mir bis heute ein Rätsel. Natürlich sind auch die allermeisten Pferde-Begegnungen völlig unspektakulär. Eine dieser an sich unspektakulären Begegnungen wird mir dennoch wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Es war abends, bei einsetzender Dämmerung, als mich eine Reiterin mit einem freundlichen Grüezi begrüsste. Als ich genauer hinschaute, sah ich, dass es sich bei der jungen Reiterin um ... Martina Hingis - die damalige Weltnummer eins im Damentennis - handelte! Welche Überraschung, eigentlich wollte ich nur nach einem strengen Tag mit dem abendlichen Jogging meinen Kopf etwas "durchlüften", und dann läuft mir unser Tennisstar über den Weg...
Tipp Vögel [Angriffe aus der Luft]Nach Hunden und Pferden komme ich nun noch zu einer dritten Gattung Tiere, die ein Problem darstellen können: Vögel (nein, dies ist leider kein Witz!), genauer gesagt Raubvögel. Wenn Raubvögel Junge kriegen, wollen sie diese mit aller Macht beschützen, und allfällige Feinde aus ihrem Territorium vertreiben. Dies bewerkstelligen sie, indem sie Läufer und andere vermeintliche Feinde wie zum Beispiel Wanderer von hinten lautlos anfliegen, und beim ersten Mal mit einem Abstand von etwa einem halben Meter überfliegen. Dies ist jedoch erst die Vorbereitung des eigentlichen Angriffs: Beim zweiten Mal fliegen sie etwas tiefer, so dass sie mit ihren Krallen die Kopfhaut oder eine allfällige Kopfbedeckung des Opfers packen können. Der mögliche Schaden für den Läufer reicht vom Verlust der Kopfbedeckung bis hin zu blutenden Kopfhaut-Verletzungen. Das Schlimmste ist jedoch aus meiner Sicht während der folgenden Trainings das ungute Gefühl, man könnte wieder angegriffen werden.
Tipp Abgestürzter Wanderer [Unfreiwilliger Adrenalinschub in den Bergen]Die Begegnung, von der dieser letzte Abschnitt handelt, hat zwar nur indirekt mit dem Laufen zu tun, war für mich aber so eindrücklich, dass ich sie dennoch erwähnen möchte. Ende Juli 2000 nahm ich am Swiss Alpine Marathon (Strecke: K42) in Davos teil. Um mich wenigstens ein bisschen an die Bergwege und an die dünnere Luft zu gewöhnen, und um etwas Abstand vom Alltagsrummel zu gewinnen, verbrachte ich die letzten beiden Wochen vor dem Alpine Marathon in den Bergen, im Ferienhaus meiner Eltern im Toggenburg. Was dann jedoch am 18. Juli 2000 geschah, als ich zusammen mit meinen Eltern eine Wanderung unternahm, werde ich wohl nie vergessen: Wir waren ein paar Meter abseits des Wanderweges am Picknicken, als wir hinter uns plötzlich ein Geräusch hörten. Wir drehten uns um - und mussten mitansehen, wie ein 77-jähriger Wanderer kopfvoran über ein etwa sieben Meter hohes Felsband herunterstürzte. Wenige Meter hinter uns blieb er regungslos liegen. Wir wussten nicht, ob er überhaupt noch lebte. Sofort ging ich die vier, fünf Schritte zum bewusstlosen und aus dem Kopf blutenden Wanderer hin, und kümmerte mich um ihn. Wenigstens atmete er noch! Allerdings lag er sehr ungünstig im Gelände, so dass ich ihn zuerst einmal etwas stabilisieren musste. Um allfällige Rückenverletzungen zu vermeiden, sah ich davon ab, ihn zu stark zu bewegen. Währenddessen lief mein Vater los, um Hilfe zu holen. Nach wenigen hundert Metern begegnete er einem weiteren Wanderer, welcher zum Glück ein Mobiltelefon dabei hatte. Somit konnten wir die Schweizerische Rettungsflugwacht (REGA) bereits kurze Zeit nach dem Absturz alarmieren. Nach ein paar Minuten - die vor allem den schockierten Angehörigen des abgestürzten Wanderers wie Stunden vorkommen mussten - traf dann der REGA-Hubschrauber ein, konnte jedoch im unwegsamen Gelände nicht in unmittelbarer Nähe des Absturzortes landen, so dass sich der Notarzt abseilen lassen musste. In der Zwischenzeit hatte der Verletzte das Bewusstsein wieder erlangt, schien jedoch recht benommen, und konnte sich auch an nichts mehr erinnern. Der Notarzt diagnostizierte ein schweres Schädel-Hirn Trauma. Anschliessend ging alles ziemlich schnell: Wir halfen beim Setzen der Infusion, bei der recht komplizierten Bergung des Verunfallten, sowie beim endgültigen Verladen des abgestürzten Mannes in den Hubschrauber. Während der ganzen Rettungsaktion hatten wir uns auch noch um die schockierten und teilweise verwirrt handelnden Angehörigen zu kümmern. Offenbar wurde unsere Hilfe vom Rettungsteam sehr geschätzt; jedenfalls bedankten sich die Notärzte für unsere tatkräftige Unterstützung. Etwa drei Wochen nach dem Unfall erhielt ich dann einen ziemlich erfreulichen Telefonanruf: Es war der abgestürzte Wanderer, der sich für die Hilfe bedankte! Er habe zwar keinerlei Erinnerungen an den Unfall und an die anschliessende Rettungsaktion, und habe deshalb auch keine Ahnung, wer wir eigentlich seien, ihm sei jedoch bewusst, wie viel wir für ihn getan hätten. Als Folgen des Unfalls leide er zwar noch unter Kopfschmerzen, was bei einem so heftigen Aufprall des Kopfes auf die Felsen mit über 40 km/h auch kein Wunder sei. Jedoch seien keine Langzeitschäden zu befürchten! Meine Erleichterung war natürlich riesig, als ich diese sehr positive Nachricht vernahm. Besonders gefreut hatte mich zudem, dass sich der 77-jährige Wanderer persönlich gemeldet hatte, und offenbar unsere geleistete Nothilfe nicht einfach als selbstverständlich erachtete. Gesucht hatte ich ja eigentlich die Ruhe in den Bergen, gefunden hatte ich aber an diesem Tag das pure Gegenteil. Im Nachhinein bleiben mir von diesem Tag vor allem zwei Dinge: Zum einen ist der ganze Absturz vom Ausgleiten bis zum brutalen Aufprall auf dem Fels wie ein Film in Zeitlupe in meinem Hirn gespeichert, was recht unangenehm ist. Zum anderen bleibt jedoch das sehr gute Gefühl, einem Menschen in einer Situation, in der es um Leben und Tod ging, entscheidend geholfen zu haben. Äthiopische Spitzenathleten [Hintergründe zum Leben der Lauf-Dominatoren]Bei jeder grösseren Laufveranstaltung sind sie dabei, und machen in den meisten Fällen den Sieg auch unter sich aus: die schnellen Äthiopier. Doch obwohl sie meist Weltklasse-Leistungen erbringen, werden sie beispielsweise in den Medien kaum je so gefeiert und hochgejubelt wie die Aushängeschilder anderer Sportarten. Oft werden sie gar als "beliebig austauschbar" bezeichnet, und als einzelne Menschen gar nicht richtig wahrgenommen. An dieser Stelle möchte ich versuchen, Ihnen als Leser einen kleinen Einblick ins Leben dieser Spitzenathleten zu vermitteln. Zum ersten Mal persönliche Bekanntschaft mit einem dieser Äthiopischen Top-Athleten machte ich im Juni 2003 beim Derendinger Abendlauf. Zurückhaltend - wie die Äthiopier eben typischerweise sind - fragte mich der spätere Sieger Mitiku Megueressa, um welche Zeit denn eigentlich gestartet werde. Aufgrund seiner damals noch sehr bescheidenen Deutsch-Kenntnisse gelang es ihm nicht, den offiziellen (mit Werbung überfüllten) Ausschreibe-Unterlagen die Startzeit zu entnehmen. Er fragte mich in gebrochenem Englisch, ob der Startschuss tatsächlich um 22 Uhr fallen werde, und deutete dabei auf eine Stelle in der Ausschreibung, wo diese Uhrzeit erwähnt war. Ich musste jedoch ein wenig schmunzeln, als ich genauer hinsah: Es handelte sich nämlich nicht um die Startzeit, sondern um die in einem Inserat publizierte Schliessungs-Zeit eines Fitnesscenters... Mit der Startzeit hatte dies absolut nichts zu tun. Mitiku Megueressa war froh um meine Aufklärung, und bedankte sich ganz herzlich dafür. Von Star-Allüren keine Spur! Die zweite Begegnung war diejenige mit Tolossa Chengere, einem 20-jährigen Äthiopier, der erst seit kurzem in der Schweiz lebt. Am Ziel des Weissensteinlaufs (einem Berglauf in Solothurn) genoss ich zuerst einmal die schöne Aussicht. Als ich mich dann später auf den Weg Richtung Sesselbahn machte, traf ich auf Tolossa Chengere (den Sieger des Berglaufs), der im Zielgelände umherirrte, und offensichtlich etwas suchte. Auf meine Frage antwortete er, er suche den Bus, um wieder runterzufahren. Ich klärte ihn dann auf, dass es keinen Bus gäbe. Ein Sessellift führe uns wieder hinunter zum Start. Er war alles andere als begeistert. Er sei noch nie mit einem Sessellift gefahren. Zuerst klammerte er sich dann auch am "Sesseli" fest, bekam mit der Zeit jedoch Gefallen daran, und wir plauderten während der 20-minütigen Fahrt über alles Mögliche. Dass ich selbst Höhenangst habe, und nur ungern in luftiger Höhe bin, konnte ich zum Glück verstecken. Sonst wäre die Fahrt für den schnellen Äthiopier wohl zum Albtraum geworden... Beim Traditionslauf von Murten nach Fribourg 2003 war ich etwas überrascht, als ich im Ziel den Namen des Siegers hörte: Tolossa Chengere. Dass er schnell laufen kann, wusste ich. Aber dass er gleich gewinnen würde, hätte ich dann doch nicht gedacht. Als ich dann 2 Stunden nach meinem Zieleinlauf zum Bahnhof ging, traf ich den siegreichen Äthiopier noch kurz an. Zu meinem eigenen Erstaunen begann er gleich zu strahlen, als er mich sah. Er erkannte mich offenbar wieder. Ich gratulierte ihm natürlich ganz herzlich, und merkte, dass der Sieg für ihn etwas ganz besonderes war. So ein grosses Rennen hatte er noch nie gewonnen, seit er in der Schweiz lebt. An Silvester 2003 nahm ich dann in Gippingen am Stauseelauf teil. Auf dem Weg zurück von den Garderoben zum Bahnhof traf ich wieder auf ein Grüppchen der schnellen Äthiopier: Neben Mitiku Megueressa und Tolossa Chengere war diesmal auch Dabessa Disassa dabei. Die drei standen nach der Siegerehrung wieder einmal ziemlich ratlos da: Sie suchten den Weg zum Bahnhof, und waren froh, als ich ihnen sagte, dass ich gerade auf dem Weg dorthin sei. Scheu wie immer fragten sie, ob wir gemeinsam dorthin gehen könnten. So nahmen wir den Weg schliesslich gemeinsam unter die Füsse, und unterhielten uns wiederum über alles Mögliche. Ich war sehr positiv überrascht, wie sich die Sprachkenntnisse der Äthiopier in so kurzer Zeit gebessert hatten; sprachen sie ein halbes Jahr zuvor noch kaum ein Wort in einer unserer Landessprachen (und auch nur gebrochen Englisch), so war diesmal ein Gespräch fast mühelos möglich. Der in der Westschweiz wohnhafte Tolossa Chengere sprach mittlerweile gut Französisch, Mitiku Megueressa erzählte (auf Deutsch) stolz vom Deutsch-Kurs, den er sich aus seinen Preisgeldern zusammengespart hatte und nun seit kurzem besuche, und Dabessa Disassa - angespornt durch Mitiku Megueressas Vorbild - hatte sich ebenfalls für einen solchen Kurs angemeldet. Die drei meinten denn auch übereinstimmend, dass solche Sprachkurse etwas Abwechslung in ihr ansonsten sehr monotones Leben bringe. Denn ausser Laufen hätten sie ja keinerlei Beschäftigung. Alle drei träumen denn auch davon, einmal mit einem "richtigen" Job ihren Lebensunterhalt in der Schweiz verdienen zu können. Denn die pro Wochenende durchschnittlich verdienten 300 bis 400 Franken Preisgeld lassen hierzulande keine grossen Sprünge zu. Sie hoffen darauf, dank ihrer erworbenen Sprachkenntnisse in Zukunft vielleicht einmal in der Migros oder sonstwo arbeiten zu können, um ein regelmässiges Einkommen zu haben. Besonders Mitiku Megueressa macht sich diesbezüglich viele Gedanken: Beim Gippinger Stauseelauf zog er sich kurz vor Schluss eine Verletzung im Oberschenkel zu. (Zum Kategoriensieg reichte es trotzdem noch...) Er rechnet damit, frühestens nach einem Monat Zwangspause wieder mit Laufen beginnen zu können. Mindestens so lange wird jedoch auch die "Einnahme-Seite" seines Kontos gähnende Leere zeigen. Der Hauptgrund, weswegen die äthiopischen Läufer vor allem bei Läufen um 10 Kilometer anzutreffen sind, ist ebenfalls ein finanzieller: Bei solchen relativ kurzen Distanzen erholt sich der Körper so schnell, dass er beinahe sofort wieder voll leistungsfähig ist. So ist garantiert, dass die Äthiopier jedes Wochenende an einer (oder teilweise auch zwei) Laufveranstaltung(en) an den Start gehen können, und so ihr mehr oder weniger regelmässiges Einkommen haben. Der junge Tolossa Chengere beispielsweise läuft genau aus diesem Grund (zu lange Erholungszeit) nicht gerne Wettkampf-Distanzen von über 20 Kilometern, obwohl er beim Halbmarathon eine Bestzeit von 1h02min vorzuweisen hat, was eine absolute Weltklassezeit ist! In jedem europäischen Land wäre er damit das läuferische Aushängeschild. Als Äthiopier jedoch gibt es etwa 7-8 schnellere Läufer aus dem eigenen Land, so dass es ihm trotz seines hohen läuferischen Niveaus nicht zu Olympia- oder Weltmeisterschafts-Teilnahmen reicht. Nach den absolvierten Wettkämpfen stehen die Äthiopier meist wie "bestellt und nicht abgeholt" da. Ihre zurückhaltende, scheue Art wird leider oft so interpretiert, dass sie nicht gestört werden wollen. In Tat und Wahrheit ist jedoch ziemlich genau das Gegenteil der Fall. Ist einmal das Eis gebrochen, zeigen sich plötzlich ungeahnte Seiten, und es lässt sich auch sehr gut mit ihnen spassen. Ihre freundliche Art ist wirklich eine Bereicherung! Ich wünsche diesen äthiopischen Sportlern jedenfalls von ganzem Herzen, dass sie in Zukunft etwas aus ihrer "Isolation" herauskommen können. Ein erster Schritt dazu ist dank ihrer sprachlicher Fortschritte gemacht.
Tipp Organisatorischer Lapsus beim Marathon [Wenn Sportler nicht ernst genommen werden]Nach bald 200 Starts bei Laufveranstaltungen glaubte ich, so ziemlich alles gesehen und gehört zu haben, was dabei so alles schief gehen kann: Vom bedauernswerten Läufer, dem beim Startschuss ins Bein geschossen wurde, über den Läufer, der nach einem Fehltritt ins Bachtobel stürzte (sich jedoch glücklicherweise nicht ernsthaft verletzte), bis hin zur im Ziel zusammenbrechenden Läuferin, welcher die Samariter trotz meiner Aufforderung partout keine Beachtung schenken wollten (nach wiederholter Aufforderung aber ihren gemütlichen Schwatz doch noch abbrachen). Etwas vom enttäuschendsten war dann jedoch die Erfahrung, welche ich 2003 bei einem der grössten Schweizer Marathons machte. Ich war gekommen, um meine Laufkollegen bei Kilometer 30 (Hinweg, linke Fahrbahnhälfte) und bei Kilometer 33 (Rückweg, rechte Fahrbahnhälfte) zu unterstützen. Als ich jedoch rund zehn Minuten vor der planmässigen Durchgangszeit der Spitzengruppe dort eintraf, traute ich meinen Augen nicht: Die 30km-Distanzfahne (alle 5 Kilometer gab es solche Fahnen; weitere Distanzangaben waren nicht vorhanden) und die Zwischenzeit-Messanlage waren doch tatsächlich auf der falschen Strassenseite - also auf dem Rückweg bei 33km statt auf dem Hinweg bei 30km - platziert worden. Ich ging auf den einzigen anwesenden Datasport-Mitarbeiter zu, und fragte ihn, ob er die Zeitmessanlage aufgestellt habe. Er meinte: Ja, wieso? Ich antwortete: Aber das steht ja alles auf der falschen Strassenseite (rechts statt links)! Und weiter: Die Zeitmessanlage sollte doch sicher bei Kilometer 30 und nicht bei Kilometer 33 aufgestellt sein - und die Distanzangabe sowieso. Er entgegnete bloss: Sind Sie vom OK (Organisationskommittee)? Als ich verneinte, meinte er, dann lasse er alles so stehen, wie es sei. Auf seiner Anweisung stehe als Positionierung ganz klar "bei der 30km-Markierung" (welche am Strassenrand als unauffällige Bodenmarkierung auch ersichtlich war). Als ich entgegnete: Ja, aber doch nicht auf dieser Strassenseite; die Läufer kommen doch hier zweimal vorbei - bei Kilometer 30 und 33, meinte er: Vielleicht muss ja die Zeitmessung bei Kilometer 33 sein. Das sei auf seiner Anweisung nicht explizit erwähnt. In diesem Moment kam glücklicherweise ein OK-Mitglied auf einem Fahrrad daher. Ich sprach ihn auf das Problem an, worauf er meinte: Ja; klar muss das alles auf die andere Strassenseite! Wieviel Zeit bleibt uns denn noch? Auf meine Antwort in etwas mehr als 5 Minuten sind die Spitzenläufer da, wies er den Datasport-Mitarbeiter an, die Zeitmessmatten sofort auf die andere Strassenseite bei Kilometer 30 umzuplatzieren. Das tat dieser denn auch, wobei ihm zwei, drei junge offizielle Helfer zur Hand gingen. Deren Kommentar: Jetzt haben wir wenigstens einmal etwas zu tun... Zu mir meinte das OK-Mitlied wörtlich: Das wär en dicke Hund gsi. Merci vielmal! So öppis dörf natürli nöd passiere. Das wär dänn schön pinlich gsi! Nachdem ich danach die 30km-Distanzfahne eigenhändig auf die andere Strassenseite getragen hatte, entfernte ich mich wieder. Ich hörte noch, wie Zuschauer zu einander sagten: Siehst du, die Distanzangabe und die Zeitmessung waren wirklich auf der falschen Seite. (Aber unternommen hatte keiner von denen etwas.) Als ich noch einmal zurückschaute, erblickte ich die laufende Uhr, die immer noch in die falsche Laufrichtung gedreht war. Ich ging nochmals hin und machte das OK-Mitglied und den Datasport-Mitarbeiter darauf aufmerksam, dass es sinnvoll wäre, die Uhr ebenfalls noch von Kilometer 33 zu Kilometer 30 umzuplatzieren. Genau zwei Minuten vor der Passage der Spitzengruppe war schliesslich alles am richtigen Ort installiert. So ein Malheur kann natürlich einmal passieren. Was ich jedoch sehr enttäuschend fand, war die Reaktion der Veranstalter auf mein gut gemeintes E-Mail (mit dem Hintergedanken, die Organisatoren für die nächste Austragung darauf zu sensibilisieren, dass die 30km-Markierung am richtigen Ort angebracht werde). Zur Antwort erhielt ich, meine geschilderte Rettungsaktion sei nicht wahr. Anstelle des erwarteten Dankes-E-Mails erhielt ich einen Rüffel! Ich persönlich finde diese Reaktion der Organisatoren "einfach nur schade" - schade, dass es einzelne Grossveranstalter offenbar nicht als nötig erachten, Teilnehmer und andere Sportbegeisterte ernst zu nehmen, und entsprechend zu behandeln.
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