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Sonntag, 14. Juli

Es ist nicht leicht, die 'Redaktion Roger' zu vertreten. Dennoch möchten wir die Ereignisse des letzten Wettkampftages unseren Fans und 'Daumendrückern' nicht vorenthalten!

Samstag Abend musste uns Thomas auf Grund eines Familienfestes verlassen. An seiner Stelle bediente Catherines Freund Winni am Sonntag Gas- und Bremspedal unseres Büsslis. Am Steuer des Spar-Kombis nahmen wie gewohnt Angi und Heidi Platz (die während dieser Woche ebenfalls genügend Gelegenheiten hatten, um das 'Phänomen Stau' von nahe zu beäugen). Sie waren am Samstag leider erst um 22:00 Uhr in Luzern eingetroffen, zusammen mit Catherine und Raphael. Nach dem üblichen Abendessen, Autoumpacken und Zelt einrichten blieb ihnen so nicht mehr viel Schlaf.

Angi frühmorgens nach kurzer Nacht:
Betreuerin Angi im 'Badezimmer'
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Da war er nun, der letzte Tag! Noch ein letztes Mal früh aufstehen, ein letztes Mal Frühstück und Lunch organisieren, noch einmal Zelte abbrechen und schliesslich zum letzten Mal alle 5 Teilabschnitte bewältigen. Das Ziel in Biel war so nah und doch noch 228km weit weg. Auch die letzte Etappe mit ihren 2720 Höhenmetren war nicht zu unterschätzen.

Der Tag begann nicht ganz wie gewohnt: Nathalie, die sich bereits am Samstag nicht sonderlich wohl gefühlt hatte, wachte hustend, mit Halsweh und Heiserkeit auf. Nach einer kurzen Besprechung kam man zum Entschluss, dass der Gesundheit zu Liebe an Stelle unserer Standard-Inlinerin nun Catherine die Skates anschnallen soll. Bereits am Samstag waren ja nur 4 Athleten unseres Teams unterwegs. Genau gleich wollten wir es am Sonntag machen: In Önsingen den Verantwortlichen mitteilen, dass wir Catherine doppelt einsetzen, und alles wäre paletti gewesen. Nur hatten wir diese Rechnung ohne den Veranstalter gemacht - zumindest vorderhand. Erst nach einem Arztbesuch von Nathalie und der Bescheinigung, dass es wirklich sinnvoll wäre Nathalie zu ersetzen, konnten wir Catherine in Önsingen auf die Strecke schicken. Wir waren also wieder nur zu viert unterwegs. Wir greifen hier aber bereits ein wenig vor. Der Reihe nach lief der Tag wie folgt ab:

Das Morgenfüh-Prozedere war nichts Neues für uns erfahrenen Gigathleten: Catherine nahm den Shuttlebus zum Start, schwamm in der Horwerbucht eine gewohnt ausgezeichnete Zeit und übergab ohne Probleme an Raphael. So weit so gut, aber es gab doch noch zwei, drei kleine Änderungen: Zum ersten Mal verspürte Catherine eine gewisse Unlust, sich in den Neopren zu zwängen, und um diese frühe Uhrzeit ins Wasser zu gehen. Anscheinend war sie nicht die einzige, die nun nach 6 Gigathlon-Tagen eine gewisse Sättigung verspürte. Als Motivations-Schub organisierte der Veranstalter ein Einturnen am Strand des Vierwaldstättersees. Hunderte von schwarzen Gestalten mit bunten Badekappen kreisten mit den Armen, hüpften auf den Beinen und waren nass, bevor sie auch nur einen Meter weit geschwommen waren. Die Regenschauer und eher mässigen Temperaturen der letzten Tage liessen den See auf 17-18 Grad abkühlen. Der See war offenbar so kalt, dass Catherine wieder ihren "Turbo" zündete, und dem Wasser bereits nach weniger als 40 Minuten wieder entfliehen konnte.
Nach einer kleinen Aufwärmfahrt von 5km zur Wechselzone in Horw nahm Raphael seine letzten 124km unter die Räder. Auch auf der letzten Rennvelo-Etappe liess sich der Veranstalter nicht lumpen: Jeder Hügel zwischen Luzern und Basel, den er ausfindig machen konnte, musste bezwungen werden. Auch an Raphael gingen die vorherigen sechs Etappen nicht spurlos vorüber. Mit jedem Kilometer wurden die Beine schwerer und der Sattel unbequemer. Bald wusste er nicht mehr, welcher Teil seines Allerwertesten noch nicht "versessen" war. Wie gerne hätte er sein Rennvelo wohl in den nächsten Busch geworfen?! Aber Marco wartete in Basel auf die Übergabe, und so besann sich Raphael eines besseren und bewältigte auch die letzten Kilometer in einer Superzeit.
Basel - Önsingen; das war Marcos letzte Etappe. Nach dem Plattfuss vom Samstag hoffte er, dass ihm das Glück am Sonntag hold sein werde. Alles lief optimal, und er konnte sogar seinen Trainingskollegen Kilian zum ersten Mal an diesem Gigathlon überholen. Hier zahlte sich nun ein weiteres Mal die bewusst kräftesparende Anfangsphase aus. Auch Marco war im Stande nocheinmal zuzulegen! Nach Marcos Beschreibung ging es vorerst nur bergauf, bergauf und nochmals bergauf. Er hätte nicht gedacht, dass man im Mittelland so lange und so viel bergauffahren könne. Eine rasante Abfahrt entschädigte ihn für das lange hinaufpedalen. Nur gut, dass seine Freundin Angi ihm nicht beim "Gas geben" zusehen musste... Das Resultat war wiederum bravourös: Mit über einer Stunde Vorsprung auf den Tagesplan wechselte der Data-Chip in Önsingen seinen Träger.
Zum Glück hatten Catherine, Raphael und Marco so viel Zeit auf den teaminternen Zeitplan gutgemacht: So blieb Catherine gar keine Zeit mehr, vollends nervös zu werden - immerhin stand sie seit zwei Jahren zum ersten Mal wieder auf 8 Rollen - und dummerweise nicht einmal auf ihren eigenen! Sie lieh sich die Skates von Felix, die ihr zwar zu gross waren, aber sie zog diese Skates doch den zu kleinen Skates von Nathalie vor. Von einer anderen Skaterin bekam sie noch den Tipp, sich die Füsse eintapen zu lassen; dies würde die zu grossen Schuhe wieder einigermassen kompensieren und Blasen verhindern. Ein letztes kleines Problem hatte sie noch: Die Kugellager in Felix' Skates waren wegen Zeitmangels weder ausreichend geölt noch gesäubert worden nach Felix' grandiosem Zieleinlauf in Luzern. So liess sie ihren Charme spielen und organisierte nicht nur Öl, sondern gleich auch noch den dazugehörigen Serviceprofi. Während eines kleinen Schwatzes mit Catherine zerlegte dieser nun die 16 Kugellager in ihre Einzelteile, putzte und ölte sie und händigte Catherine Felix' Skates aus, die so gut liefen wie noch nie. Soverän meisterte sie anschliessend die letzte Rolletappe und übergab zum letzten Mal den Data-Chip.

Catherine nach erfolgreich absolvierter Inline-Strecke:
auch an Unterstützung fehlte es unserem Team nicht
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35 Kilometer waren es nun noch bis nach Biel. Viel schiefgehen konnte nun nicht mehr. Notfalls kann man die Etappe ja spazieren. Aber so wie wir Felix kennen, sind Wörter wie "spazieren", "gemütlich joggen", etc. wohl nicht in seinem Wortschatz. Trotz der langen Distanz legte er wie gewohnt rasant los. Lag es wohl daran, dass er am Samstag einen lauffreien Tag hatte (dafür mit Skateeinsatz)? Niemand konnte ihn fragen, denn er war einfach zu schnell... Nicht einmal das Gerücht, die Strecke sei etwa 40 Kilometer lang, also fast so lang wie ein Marathon, konnte ihn bremsen. Später stellte sich heraus, dass das Gerücht wirklich nur ein Gerücht war. Aber auch 35 Kilometer waren am Ende dieser anstrengenden Woche genug.
Im Wissen um Felix' Schnelligkeit durfte keine Zeit beim Beladen der Autos in Solothurn und Önsingen verloren gehen. Die Devise musste heissen: Rein ins Auto und ab nach Biel, sonst verpassen wir Felix' Zieleinlauf! Auf dem Weg noch schnell Thomas am Bahnhof abholen und dann nichts wie weg zum angegebenen Wartepunkt für die restlichen 4 Athleten (den letzten Kilometer legten alle Teammitglieder gemeinsam zurück), bzw. zum Ziel für die Betreuer und sonstigen Anfeurer! Dass wir den Zeitplan gut im Griff hatten, hatten wir schon über 6 Tage hinweg bewiesen: Kaum am Treffpunkt angelangt, kam auch schon der Schnellzug Felix herangebraust. Dass er kaum zu bremsen ist, wurde hier ein letztes Mal klar. Nach 34 Kilometern laufen, konnte er von den anderen Teammitglieder beinahe nicht zurückgehalten werden; er realisierte offenbar nicht, dass die restlichen 4 nur noch "alte Dampfloks" waren, und nicht im Stande waren, sein Tempo mitzuhalten. Erst ganz zum Schluss fand sich ein für alle angenehmes Tempo: In Tatzelwurm-Formation und unter tosendem Applaus der begeisternden und begeisterten Zuschauer legte das Team die letzten 50 Meter ins Ziel zurück. Dieser originelle Zieleinlauf bescherte unserem Team (und damit auch unserem Hauptsponsor) einen prominenten Auftritt im Fernsehen!

Die letzten Meter in Bildern:
letzte Meter vor dem Ziel der grosse Fernseh-Auftritt: der 'Tatzelwurm' wurde allein auf SF DRS über 20 Mal(!) ausgestrahlt geschafft!
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Ein kurzer Ausschnitt (3.8 Sekunden) unseres x-fach auf SFDRS ausgestrahlten Zieleinlaufs kann hier im MPEG(2)-Format und in einer Deluxe-Version im DivX-Format runtergeladen werden: Die einzelnen Teammitglieder unmittelbar nach dem Zieleinlauf:
Marco Catherine Raphael Nathalie Felix unsere 5 Sportler die einen gönnen sich erst einmal eine wohlverdiente Ruhepause andere lächeln noch wie am ersten Tag
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Zum erfolgreichen Team gehören neben den fünf Sportlern auch die drei Betreuer:
Betreuer Thomas und Heidi das ganze Team der 'Tatzelwurm' als Transportmittel
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In diesen Sekunden waren alle Strapazen der vergangenen Woche vergessen. 1484 Kilometer Sport mit 21000 Höhenmetern, 3000km Autofahren, 7km Zelt und Schlafausrüstung herumschleppen, 100 Stunden (WC-, Dusch-, Massage-, Essens-,...) Schlange stehen,... All dies war nun weit weg und das Team genoss die Finisher-Stimmung zusammen mit den Betreuern und unerwarteten Besuchern (Fans) aus Luxemburg! Nach einer Fotosession gab es nur noch ein paar Dinge zu erledigen: Finisher-Uhrarmband organisieren, den verlorenen Rucksack (siehe Tag 5) auffinden, und den ganzen Krempel in den Autos wieder den rechtmässigen Besitzern zuführen. Bevor uns der Alltag wieder einholen konnte, begaben wir uns - ja wohin denn... - natürlich zur "Essensausgabe" auf einer Autobahnraststätte.
Bevor sich unsere Wege wieder trennten, genossen wir die gute Stimmung und das Hupkonzert der Gigathlon-Fahrzeuge auf dem Parkplatz. Wie wird es uns im Alltag wohl ergehen, wenn wir
- auf den WCs wieder spülen müssen,
- ein weiches Bett am Abend vorfinden,
- kein Zelt aufbauen müssen, um ein Dach über dem Kopf zu haben,
- das Geschirr nach dem Essen nicht wegwerfen dürfen,
- die Innenstadt von Locarno und Davos nicht mehr zuparken dürfen,
- die friedliche Stimmung der Athleten vermissen,
- kein Natel klingelt und eine Stimme fragt: Wo seid ihr? Wie sind wir im Zeitplan?
- keinen Bon für Morgenessen und Lunch in unseren Taschen vorfinden,
- und endlich wieder bis 06:00 Uhr "ausschlafen" können?

Der Vollständigkeit halber sei hier noch die Statistik aufgeführt: Das Team green.ch wurde am letzten Tag auf dem phänomenalen 82. Rang klassiert! Und Felix erzielte wiederum eine Bombenzeit und wurde trotz Tatzelwurm-Kriech-Formation am Schluss noch 37. auf seiner Laufstrecke. Gesamthaft belegte das Team green.ch den 174. Rang (ca. 77 Stunden) mit einem Rückstand von knapp 20 Stunden auf die Erstplatzierten Profisportler "Swisspower Premium", die den Rest der "Seven Days Team of Five" richtiggehend deklassierten. Am Rande sei hier noch erwähnt, dass der Single-Sieger Urban Schumacher dreieinhalb Stunden weniger brauchte als unser Team, um die 1484km zu absolvieren! Klassiert wurden schliesslich 3 der 6 gestarteten Single-Frauen und 62 von 158 Single-Männern.

Die kompletten Resultate sind unter www.datasport.com zu finden.

Uns bleibt nun nur noch Abschied zu nehmen von unseren treuen Fans, den "Daumendrückern", fleissigen Newsletter-Lesern, Freunden und Familien. Es freut uns, dass uns so viele Leute unterstützt haben, und während dieser einmaligen Woche mit uns mitgefiebert haben. Ein grosses und herzliches Dankeschön gilt unseren Sponsoren, welche uns die Teilnahme an diesem Giga-Event überhaupt ermöglichten!! Nicht vergessen gehen dürfen die Chauffeure (Betreuer). Ohne ihre gute Umsetzung der Zeitpläne hätten wir es nie geschafft, rechtzeitig in allen Wechselzonen zu sein.

Ein letztes und ganz besonderes Dankeschön geht an Roger. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz und Zeitaufwand wäre es ebenfalls nicht möglich gewesen, am Sonntag in Biel die Ziellinie zu überqueren. Vielen Dank für die Sponsorensuche, den Homepageauftritt, die Organisation von Ersatzleuten, die Erstellung der Zeitpläne, Newsletter-Redaktion, moralische Unterstützung, Teammanagement während des Wettkampfes, und und und und und und...

--
Newsletter verfasst von:
Nathalie Raths und Thomas Herrmann

Homepage:
http://www.rogerkaufmann.ch/gigathlon.htm

© Roger Kaufmann 2002  [bitte beachten!]


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Letzte Änderung: 18. November 2002.