Am Freitag Abend waren unsere Sportler und Betreuer vom Gigathlon-Camp in Frauenfeld so enttäuscht, dass sie sich kurzfristig entschieden, beim in der Nähe wohnhaften Felix zu Hause zu schlafen. Auch auf die offizielle Verpflegung wurde somit verzichtet, so dass das Nachtessen für einmal in einem Restaurant eingenommen wurde. Da man durch den Entscheid, privat zu übernachten, auch die Gelegenheit verpasste, das offizielle Lunchpaket abzuholen, machte ein Teil des Teams am Freitag Abend mit einem der Begleitfahrzeuge einen Abstecher in ein Einkaufszentrum. Mit den beiden Fahrrädern auf dem Dach wurde das relativ niedrige Parkhaus angesteuert. Im letzten Moment erinnerte sich unser Team gerade noch an die beiden Fahrräder auf dem Dach. Wäre Angis Reaktion nicht so gut, wäre wohl ein erheblicher Schaden an den beiden Sportgeräten entstanden.
Felix begann in der Zwischenzeit zu berechnen, wie viele Gäste-Betten nötig seien: 5 Sportler plus 3 Betreuer bedeuten 8 zusätzliche Schlafplätze begann er. 7 Plätze könnten wir herrichten, aber woher sollen wir bloss den 8. nehmen? Da kam endlich die verwunderte Frage von Gaby, Felix' Ehefrau: Wieso 8 zusätzliche Plätze? Möchtest du nicht bei mir schlafen?! Tja, wer mag Felix verübeln, dass er nach fünf anstrengenden Tagen etwas Mühe beim Rechnen bekundet?
Schliesslich hatte also doch jeder sein Plätzchen zum schlafen. Und als in der Nacht ein heftiges Gewitter losbrach, war unser Team natürlich froh, nicht draussen im Gigathlon-Camp übernachten zu müssen. Doch das Gewitter brachte neue Probleme mit sich: Wird Catherine trotzdem den Rhein runter schwimmen müssen, oder wird diese Strecke durch die Schlechtwettervariante (d.h. durch eine kurze Laufstrecke) ersetzt? Da für heute Samstag sowieso geplant war, Catherine nach der Schwimmstrecke im Rhein auch noch die Laufstrecke von Zürich nach Zug absolvieren zu lassen, wurde die ganze Situation organisatorisch recht kompliziert. Die Begleitfahrzeuge fahren nämlich üblicherweise nur jede zweite Wechselzone an. Catherines Laufschuhe waren deshalb in jenem Fahrzeug, welches direkt zum ersten Wechsel, und nicht zum Schwimmstart hätte fahren sollen. Der langen Rede kurzer Sinn: Das ganze Team war um halb fünf Uhr morgens plötzlich in grosser Eile, und musste innerhalb kürzester Zeit aus dem Tiefschlaf heraus in den beiden Fahrzeugen sitzen. Dank der Mithilfe von Gaby, welche in Rekordzeit fürs ganze Team Frühstück zum Mitnehmen bereit machte, konnten nur 15 Minuten nach dem Aufwachen beide Fahrzeuge losfahren. Da die Leute im vorderen Fahrzeug jedoch ortsunkundig waren, stieg Catherine rasch aus, um Felix vom hinteren ins vordere Auto zu beordern. Doch sie staunte nicht schlecht: Im hinteren Fahrzeug sassen bloss 3 Leute - von Felix keine Spur. Felix war noch am Zusammenpacken seiner Inline-Skates, als er plötzlich das Starten der beiden Motoren hörte. Als er aus dem Haus kam, sah er nur noch die in der Dunkelheit verschwindenden Rücklichter. Immerhin waren seine Kollegen bloss wenige hundert Meter weit gefahren, bis sie das Malheur bemerkten.
Das Organisationskomitee entschied schliesslich, wie geplant an der 9 Kilometer langen Schwimmstrecke rheinabwärts festzuhalten. Catherines Freude war gross, denn diese Strecke ist sicherlich das schwimmerische Highlight der ganzen Woche. Vor dem Start unterhielt sie sich mit einem Single-Gigathleten. Sie war recht erstaunt, dass eine Fernsehkameras dabei die ganze Zeit auf sie und den Einzelsportler gerichtet waren. Erst als dann auch noch der Gesamtführende Urban Schumacher dazustiess, und sich ebenfalls mit Catherine und dem anderen 'Single' unterhielt, bemerkte sie, dass es sich bei diesem ihr anfangs unbekannten Mann um Benny Lindberg, den zweitbesten Single-Gigathleten handelte. Nun war ihr natürlich auch klar, weshalb das Schweizer Fernsehen so grosses Interesse an diesem Gespräch zeigte.
Die heutige Schwimmstrecke war ganz speziell. Dies begann bereits beim Start. Die Schwimmer stellten sich alle im Rhein auf, wo sie sich wegen der starken Strömung fast nicht halten konnten. Als dann das Rennen freigegeben wurde, begann ein taktisches Schwimmen. Sehr wichtig war heute neben dem schnellen Schwimmen auch, dass man versuchte dort zu schwimmen, wo die Strömung am stärksten war. Dabei galt es, den diversen Hindernissen wie Signalisationstafeln oder auch Brückenpfeilern auszuweichen. Die anschliessende Wechselzone war eine reine Zumutung. Bereits der Ausstieg verlangte einen riesigen Effort, damit man überhaupt von der Strömung weg ans Ufer schwimmen konnte. Als Catherine endlich an Land war, musste sie noch ein paar Meter bis zur Übergabe laufen. Dabei war unter anderem auch eine Strasse zu überqueren. Der Polizist, welcher den Verkehr regelte, gewährte dabei den Autofahrern den Vortritt, während die Gigathleten am Strassenrand warten mussten, bis sie endlich zur Übergabe gelangen konnten. Auch der anschliessende Bustransport zum Parkplatz, wo die Begleitfahrzeuge warteten, verlief etwas kurios. Der Chauffeur machte die Schwimmer darauf aufmerksam, dass sich nur diejenigen hinsetzen dürften, welche ein Badetuch dabei hätten. Auf die Frage, ob er denn wirklich erwarte, dass jemand ein Badetuch mitnehme, um den Rhein runter zu schwimmen, zuckte er nur mit den Schultern. So standen die Sportler halt während der Busfahrt hin zu den Parkplätzen, wo die Betreuer warteten. Solche Parkplätze gab es jedoch gleich mehrere. Wohin der Bus genau fahren würde, war völlig unklar. Unser Betreuerteam tat deshalb gut daran, auf mehreren Parkplätzen Teammitglieder auf Catherine warten zu lassen. Auf einem dieser Parkplätze traf Catherine dann auch ein.
Während die meisten anderen Wechselzonen vorbildlich eingerichtet waren, schien Schaffhausen überhaupt nicht auf den Gigathlon vorbereitet zu sein. Dazu passte beispielsweise auch, dass man beim einzigen WC 45 Minuten anstehen musste, oder dass die Restaurants geschlossen waren, und so wohl das Geschäft ihres Lebens verpassten. Auch die Beschilderung war katastrophal - respektive teilweise überhaupt nicht vorhanden. Unsere Betreuer konnten von Glück reden, dass sie unterwegs einen Betrunkenen antrafen, der gerade auf dem Heimweg war, und ihnen den richtigen Weg weisen konnte.
In Schaffhausen übernahm Raphael zur mit 47 Kilometern kürzesten Radstrecke. Wie Catherine zeigte auch Raphael heute wieder eine hervorragende Leistung. Hoffen wir, dass er morgen auf der letzten Radetappe nicht für diesen Effort wird büssen müssen.
Raphaels Rennrad wird für die letzte Etappe nochmals in einen top Zustand gebracht:
[für grössere Ansicht bitte Foto anklicken]
Marcos Strecke war mit 62 Kilometern die längste Bike-Etappe des Gigathlons. Wie Raphael zeigte auch er die wohl beste Leistung der ganzen Woche. Sechs Kilometer vor dem Ziel erlitt er allerdings einen schleichenden Plattfuss. Die Hälfte der verbleibenden Strecke fuhr er dennoch weiter. Die letzten 3 Kilometer jedoch legte er zu Fuss zurück, das Bike neben sich herschiebend. Da dies das erste Mal war, dass er während eines Rennens Defekt erlitt, wollte er das Risiko eines grossen Zeitverlusts durch einen nicht optimal verlaufenden Reparaturversuch (wie wir dies am Dienstag bei Raphael erlebt hatten) vermeiden. So gingen nur knapp 10 Minuten verloren. Allerdings ist es natürlich bitter, die zuvor erkämpfte Zeit so zu verlieren. Verloren hat Marco auch seinen Helm. Heute fuhr er mit demjenigen von Nathalie. Morgen Sonntag wird es wohl beim Wechsel vom Mountainbike zum Inline-Skating nicht nur zu einer Chip-Übergabe, sondern auch zu einer Helm-Übergabe kommen. Marcos lakonischer Kommentar zum Plattfuss: Wäre die Strecke wie angegeben 58 und nicht 62 km lang gewesen, hätte ich noch ins Ziel fahren können. Ganz platt wäre der Reifen denn erst während des Duschens gewesen.
Catherine bereitet sich im Laderaum auf ihren zweiten Tageseinsatz vor:
[für grössere Ansicht bitte Foto anklicken]
Nach Marco war erneut Catherine an der Reihe. Offenbar gingen die Anforderungen dieser Woche auch an ihr nicht spurlos vorüber. Auf der 29 Kilometer langen Laufstrecke lief es ihr von Beginn weg nicht ganz so gut wie insgeheim erhofft. Sie verspürte während der ganzen Strecke eine Verhärtung der Lungenmuskeln, so dass sie zurückhaltend laufen musste, obwohl ihre Beine noch sehr frisch waren. Mit dieser Leistung darf sie jedoch dennoch zufrieden sein.
Nach dieser Disziplin gab es einen Unterbruch, bevor abends die Inline-Skater in Zug mit einem Massenstart auf die Strecke geschickt wurden. Das Betreuerteam mit Felix im Auto nahm sich viel Zeit, weil sie dachten, sie bräuchten erst rechtzeitig vor Felix' Start in Zug anzukommen. Das andere Betreuerteam war direkt ans Tagesziel in Luzern gefahren. Catherine suchte unterdessen im Ziel der Laufstrecke in Zug vergebens nach ihren Betreuern und insbesondere auch nach trockenen Kleidern. Immerhin konnte sie via Natel die Betreuer auf den Fauxpas aufmerksam machen. Nach dreiviertel Stunden kam sie so doch noch endlich zu trockenen Kleidern.
Felix bei seinen Vorbereitungen - und beim Massenstart irgendwo in der Menge:
[für grössere Ansicht bitte Fotos anklicken]
Felix hatte am Freitag Abend noch vergebens versucht, 5-Rollen-Skates zu organisieren. So musste er mit seinen uralten, jedoch in diesem Jahr noch nie benützten Skates an den Start. Zu Beginn der 36 Kilometer fühlte er sich noch recht unsicher, und getraute sich insbesondere nicht, im Windschatten anderer Gigathleten zu fahren. Mit zunehmender Dauer nahm sein Vertrauen in die Inline-Skates jedoch immer mehr zu. Einzig in den engen Kurven, in denen teilweise auch noch Kieselsteine lagen, fühlte er sich nie ganz wohl, ging jedoch mit der notwendigen Vorsicht ans Werk, und geriet so nie in Gefahr zu stürzen. Zusätzliche Schwierigkeiten bildeten eine Treppe, welche die Gigathleten abwärts zu überwinden hatten, sowie der einsetzende Regen. Doch Felix löste die für ihn ungewohnt Aufgabe mit Bravour, und brachte unser Team schliesslich auf den erneut hervorragenden 152. Tagesrang. In der Gesamtrangliste hat sich green.ch damit erstmals unter die besten 200 Teams vorgearbeitet.
Das Camp in Luzern:
[für grössere Ansicht bitte Fotos anklicken]
Von den Singles erreichten am Samstag immerhin noch 4 Frauen und 68 Männer das Ziel.
Morgen Sonntag steht die letzte Tagesetappe auf dem Programm:
Start: Horwerbucht
Ziel: Biel
Die einzelnen Disziplinen:
3km Schwimmen: Wir sind gespannt, wie gut Catherine nach ihrem samstäglichen Doppeleinsatz erholt sein wird.
124km Rennvelo: Einige kleine Anstiege sind auch auf dieser Etappe zu bewältigen.
44km Mountainbike: Auch die Region um Basel ist nicht ganz flach.
22km Inline-Skating: Nach einer 3km langen Abfahrt ist die Strecke relativ flach.
35km Laufen: Der Zieleinlauf in Biel wird wohl für die riesige Anstrengung entschädigen.
Das Team freut sich natürlich riesig über jeden Zuschauer, welcher unterwegs oder im Ziel auftaucht.
Ebenso willkommen wäre natürlich ein grossartiger Empfang am Montag, wenn unsere Sportler wieder nach Hause kommen. Eine solche Leistung muss gebührend gefeiert werden.
Von meiner Seite ist dies der letzte Newsletter. Auch die Homepage wird wohl erst im August wieder ein Update erfahren. Die Eindrücke des abschliessenden Tages werden jedoch von einem Teammitglied in einem letzten Newsletter verschickt werden.
--
Newsletter verfasst von:
Roger Kaufmann
Strecken- und Zeitpläne unter:
http://www.rogerkaufmann.ch/gigathlon.htm