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Dienstag, 9. Juli

We never give up [wir geben niemals auf] - das ist wohl ab sofort das Motto unseres Teams. Viel besser kann man den heutigen Tag wohl kaum zusammenfassen.

Hier sind die neusten Geschehnisse der Reihe nach: Das erste Problem war ein recht ungewohntes. Als nämlich Marco und Angi (Betreuerin) am Montag-Abend ihre Luftmatratze aufblasen wollten, fehlte der Deckel, welcher die Luft am Ausströmen hindert. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Unsere Schwimmerin Catherine kam auf die Idee, es mit einem Schwimm-Ohrstöpsel zu versuchen - und siehe da, diese Dinger sind nicht nur nützlich, um die Ohren trocken zu halten, sondern auch um die Luftmatratze abzudichten.

Die verflixte Luftmatratze:
gleich das halbe Team macht sich an der Luftmatratze zu schaffen
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Weiter ging's mit einem verlorenen Autoschlüssel: Der Schlüssel des von Thomas gefahrenen Minibusses war plötzlich verschwunden. Das ganze Team war wie wild am Suchen, als plötzlich ein erlösendes Klimpern zu vernehmen war - der Schlüssel fiel aus Thomas' Hosenbein raus. Des Rätsels Lösung: Thomas hatte den Schlüssel im Hosenbund seiner Shorts verstaut, und war danach so beschäftigt und wohl auch noch recht müde, dass er sich nicht mehr daran erinnern konnte... Hauptsache, der Schlüssel war wieder da!

So plötzlich wie er verschwunden war, tauchte der Schlüssel auch wieder auf:
Was kommt denn da zur Hose raus? Richtig, der Autoschlüssel
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Nun zum sportlichen Geschehen:
Catherine startete mit einer bereits zur Gewohnheit gewordenen schnellen Schwimmzeit. Sie fühlt sich offenbar von Tag zu Tag wohler in diesem ultra-sportlichen Gigathlon-Umfeld.

Catherine auf dem Weg vom Wasser zur Übergabe:
unmittelbar vor dem Wechsel zu Radfahrer Raphael
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Raphael startete dann voller Freude inmitten der anderen schnellen Radfahrer, und konnte deren Tempo vorerst problemlos mithalten. Doch was er dann erlebte, wünscht man wohl keinem seiner Konkurrenten. Bereits vor der ersten Verpflegung erlitt er Defekt. Sofort nahm er den mitgeführten Ersatzschlauch hervor und begann, diesen aufzupumpen. Doch auch dieser hatte ein Loch - ein noch viel grösseres als das eben erst erlittene. Wenigstens war eine Garage in Sicht, von welcher sich Raphael Hilfe erhoffte. Doch ausser Autoschläuchen hatte diese ihm nichts anzubieten. In seinem besten Französisch erkundigte er sich nach einem Laden, in welchem er einen Fahrradschlauch finden konnte. Es wurden ihm zwar einige genannt, doch unser in diesem Moment völlig auf sich alleine gestellte Gigathlet hatte das Pech, vor den Laden-Öffnungszeiten unterwegs zu sein! Netterweise hatten Coop-Angestellte ein Einsehen mit ihm, und liessen ihn dennoch in den Laden rein, wo er zwar keinen Ersatzschlauch, aber immerhin Flickzeug finden konnte. Dank den zuvor vom Garagen-Besitzer gespendeten 20 Franken konnte er dieses Flickzeug denn auch bezahlen. Die anschliessende Reparatur-Aktion war zwar mühsam, aber erfolgreich, und so machte sich Raphael wieder auf, den Col des Mosses Rad fahrend zu erklimmen. Körperlich und bezüglich Motivation war er immer noch (oder vielleicht eher wieder?) topfit. Doch nach dem Aufstieg schlug das Pech ein zweites Mal zu: Raphael fuhr über einen auf der Strasse liegenden Stein, und hatte erneut einen Plattfuss zu beklagen. Ein weiterer Laden war weit und breit nicht in Sicht. Wenigstens erkundigte sich bald ein Mitkonkurrent, ob alles in Ordnung sei. Als Raphael verneinte, und erklärte, dass er seinen einzigen Ersatz-Schlauch bereits gebraucht habe, gab ihm dieser Gigathlet selbstlos seinen eigenen Schlauch. Doch leider war dieser nicht identisch mit Raphaels Schlauch - er hatte ein zu kurzes Ventil! Raphael versuchte zwar, den Schlauch dennoch aufzupumpen, doch alle Mühe blieb umsonst. Auch ein zweiter Versuch blieb erfolglos. Da erkundigte sich zum Glück ein weiterer Teilnehmer bei unserem bedauernswerten, laut fluchenden Gigathleten. Eigentlich war er ja zum Gigathlon gekommen, um Rad zu fahren, und nicht um Defekte zu beheben! Dieser zweite ausserordentlich hilfsbereite Teilnehmer bot Raphael ebenfalls an, seinen Ersatzschlauch zur Verfügung zu stellen. Nach einer kurzen 'Kompatibilitäts-Kontrolle' konnte sich unser Radfahrer ein weiteres Mal ans Montieren machen. Diesmal blieb es nicht bloss beim Versuch, und Raphael konnte sich auf den weiteren Weg machen - wenn auch mit rund 90-minütiger Verspätung. Der Ärger war natürlich riesig, und zu allem Überfluss fuhr Raphael auch noch mitten in einen Regenschauer rein. Es darf jedoch vorweggenommen werden, dass sich Raphaels Stimmung mittlerweile wieder eindeutig zum Positiven gewendet hat. Zitat: Ich kann schon fast wieder darüber lachen.

Nach über 6 Stunden trifft Raphael doch noch in der Wechselzone ein. Marco ist bereits seit 2 Stunden bereit für seinen Start:
die letzten Meter vor der Übergabe müssen jeweils zu Fuss zurückgelegt werden Marco noch im Ungewissen; hoffentlich ist Raphael nichts Ernsthaftes passiert
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Mit riesiger Verspätung, aber immerhin mit der Gewissheit, dass seinem Kollegen nichts Schlimmes (Sturz, Verletzung) passiert ist, ging Marco beinahe als Letzter auf die Mountainbike-Strecke. Bereits gestern ging er ja mit grosser Verspätung auf die Strecke - damals war das Chaos im Übergaberaum so gross, dass einige Zeit verloren ging. Auch heute liess sich Marco davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Immerhin konnte er heute nämlich (Knie-)schmerzfrei losfahren. Die Massage am Vorabend hatte offenbar Wunder gewirkt. Er war deshalb top motiviert, und fuhr dann auch eine sehr schnelle Zeit - fast eine halbe Stunde schneller als in unserem Zeitplan einberechnet war! Morgen Mittwoch wird er sich wieder bewusst zurückhalten, um danach ausgeruht in die wirklich steilen Bergetappen starten zu können.

Nathalie war recht überrascht vom frühen Eintreffen Marcos. Klugerweise hatte sie sich jedoch bereits 30 Minuten vor Marcos Ankunft startklar gemacht, so dass wenigstens hier keine weitere Zeit verloren ging. Wettermässig hatte Nathalie das undankbarste Teilstück. Kurz vor ihrem Start hatte es nämlich zu regnen begonnen, und nasse Strassen sind zum Skaten äusserst unangenehm - und auch gefährlich. Kaum hatte der Regen aufgehört, hatte Nathalie mit starkem Gegenwind zu kämpfen, und die letzten 8 Kilometer wurde der Wind von diesmal strömendem Regen abgelöst. Nathalie war nach den 33 Kilometern froh, als sie endlich ihre Inline-Skates ausleeren konnte. Trocknen werden sie zwar bis morgen Mittwoch kaum werden, aber Nathalie hatte beim Packen glücklicherweise an Ersatz-Skates gedacht.

Endlich wieder im Trockenen - nun kann auch Nathalie wieder lachen:
Nathalie nach den härtesten beiden Inline-Etappen
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Den Abschluss machte auch heute wieder unser Läufer Felix. Erneut lieferte er einen eindrücklichen Beweis seines grossen Potentials, und lief wie gestern wieder um einiges schneller, als die meisten der übrigen Gigathleten. Seiner Laufleistung war jedenfalls nicht im geringsten anzumerken, wie schlecht er sich am heutigen Tag gesundheitlich gefühlt hatte.

Felix kurz vor dem Tagesziel in Interlaken:
auch nach über zweieinhalb Stunden ist Felix immer noch flott unterwegs
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Diese Strassentafel zwischen Bern und Thun erinnerte Felix an einen Zwischenfall, den er eigentlich lieber ganz schnell wieder vergessen hätte:
War es Zufall, dass der Weg an der Ortschaft 'Kiesen' vorbeiführte?
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Soviel zu den heutigen Erlebnissen unseres Teams. Auf den Rang schauen wir ab sofort nicht mehr, denn unterwegs kann so viel geschehen, dass das Ankommen das einzige wirkliche Ziel sein kann.
Für eine aus unserem Team war heute ein besonderer Tag: Betreuerin Heidi feierte ihren 24. Geburtstag - wobei 'feiern' wohl leicht übertrieben ist. Gross gefeiert wird dann erst Ende Woche am Ziel in Biel werden.

Apropos 'im Ziel ankommen': Von den 382 5er-Teams hat bisher (bis 'Redaktionschluss') erst ein einziges aufgeben müssen. Von den 158 Einzelathleten erreichten bis um 22 Uhr genau 76 das Tagesziel. Weitere 71 sind momentan noch unterwegs, und versuchen, das Tagesziel in Interlaken vor Zielschluss um Mitternacht zu erreichen - um sich morgen Mittwoch ab 6 Uhr wieder auf den beschwerlichen Weg zu machen.

Ausblick auf die Etappen vom Mittwoch:
Start: Bönigen/Interlaken
Ziel: Locarno

Die einzelnen Disziplinen:
2.5km Schwimmen: kein Problem für Catherine.
45km Mountainbike: zwei relativ leichte langgezogene Anstiege.
129km Rennvelo: Nufenenpass als happiges Hindernis.
22km Inline-Skating: erholsam im Vergleich zu den 2 ersten Etappen.
22km Laufen: eine flache Etappe für Felix.

Ein ganz herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle noch an den unbekannten Garagen-Besitzer (den Spender der 20 Franken), die Coop-Angestellten (Danke fürs verfrühte Reinlassen), sowie natürlich ganz speziell an die beiden hilfsbereiten Mitstreiter, welche selbstlos ihren Ersatzschlauch zur Verfügung gestellt hatten.

--
Newsletter verfasst von:
Roger Kaufmann

Zeitplan unter:
http://www.rogerkaufmann.ch/gigathlon.htm

© Roger Kaufmann 2002  [bitte beachten!]


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Letzte Änderung: 21. August 2002.